Web 2.0 und E-Learning

Michael Kerres: Web 2.0 und seine Implikationen für E-Learning

Auf den folgenden Seiten finden Sie den Text eines Vortrags von Michael Kerres auf der Microlearning Microlearning Conference in Innsbruck (9. Juni 2006), in einer überarbeiteten deutschen Fassung (zitieren als: Kerres, M. (2006) Web 2.0 und seine Implikationen für E-Learning, deutsche Fassung von: Web 2.0 and its implications to E-Learning, presented at Microlearning Conference, Innsbruck, 9 June 2006, retrieved from http://mediendidaktik.de)


Download-Fassung

  • Implications of Web 2.0 for E-Learning Folien und Audio-Aufzeichnung, Vortrag Online Educa 2007
  • Jenseits von Lernplattformen Vortrag Learntec 2007. Bei moodle der UDE als Gast anmelden, dann länger warten ....
  • Liste von Web 2.0-Anwendungen

    Inhalt

    Einleitung


    Web 2.0?


    Das Thema „Web 2.0“ erlangt zunehmende Aufmerksamkeit: Die Schlagworte lauten unter anderem Wikis, Weblogs und Podcasts, es geht um RSS-Feeds, AJAX und Portlets oder auch social software, tagging und user generated content. Täglich erscheinen neue Applikationen und Informationsdienste, bei denen das Internet konsequente Nutzung als Kommunikationsmedium findet. Untersucht man die zugrunde liegende Technologien, wird man schnell konstatieren, dass es sich dabei weniger um softwaretechnische Innovationen handelt, doch was ist es dann?

    Der folgende Beitrag möchte zunächst die These erläutern, dass mit Web 2.0 eine neue Art der Wahrnehmung und Nutzung des Internet verbunden ist und wird dann der Frage nachgehen, welche Implikationen dies für die Konzeption von E-Learning und Lernwerkzeuge haben könnte (zur Inhaltsübersicht).

    Ein Buzzword?

    Welche neuen Muster der Wahrnehmung und Nutzung des Internet steckt hinter dem Begriff Web 2.0?

    Ein Merkmal, der mit dem Label Web 2.0 bezeichneten Anwendungen ist beispielsweise, dass bisher konventionell auf PCs laufende Anwendungen ins Netz gehen und dabei die spezifischen Möglichkeiten des Internet konsequent ausschöpfen: Ein Photoarchiv befand sich bislang auf meinem PC, nun kann ich die Photos ins Internet stellen – und Anderen zeigen. Mit Schlagworten versehen, ergibt dies ein überraschend neues Erlebnis: Ich kann plötzlich Photos zu einem bestimmten Schlagwort von mir ganz unbekannten Personen einsehen und Schritt für Schritt entsteht eine „Community“: eine Gemeinschaft von Menschen mit gleichen Interessen oder Anliegen. Flickr, eine solche Anwendung zum Teilen von Photos im Netz, war ganz sicher nicht der Anfang von social software, sie zeigte aber erstmals einer Masse von Usern, welche zusätzliche Qualität beim Übergang einer „konventionellen“ Computeranwendung vom lokalen PC ins Internet entstehen kann.

    Der Begriff Web 2.0 umreißt diese neue Sicht auf das Internet. Natürlich kann Web 2.0 als buzzword ohne jeglichen Inhalt infrage gestellt werden. Ursprünglich tatsächlich „nur“ als Marketingbegriff für eine Serie von Tagungen in den USA eingeführt, stieß er auf eine überraschend hohe Resonanz in der Öffentlichkeit und schmückte im März 2006 sogar das Titelblatt von Newsweek. Diese starke Aufnahme in der Öffentlichkeit verdeutlicht, dass der Begriff eine Veränderung andeutet, die Nutzer des Internets tatsächlich spüren. Es kommt etwas in Bewegung, das mit dem Begriff Web 2.0 zwar nur vage umrissen ist, aber dennoch eine wesentliche Veränderung anzeigt.

    Die Hintergründe sind mehrschichtig: Die Rede vom ubiquitären Zugang zum Internet wird zunehmend Realität; wir greifen auf das Internet zu mit verschiedenartigen Geräten und das von zuhause, unterwegs und der Arbeit. Das Internet wird für immer mehr Menschen Teil des täglichen Lebens. Das Internet ist damit nicht mehr nur ein Ort um „Informationen einzustellen“, sondern avanciert zu einem Medium sozialer Kommunikation. Das Internet ist als ein universelles Medium ein Artefakt kollektiver Projektionen und kultureller Konstruktionen. Das besondere am Internet: Es kann sowohl eine „Zeitung“, ein „Fernsehen“, ein „Radio“ oder ein „Telefon“ sein. Wir definieren, was dieses Medium ist, durch unsere Nutzung und durch unsere Erwartung, also durch das, was wir mit dem Medium tun. Und momentan erfindet sich das Internet neu, indem wir neue Handlungsmuster und neue Erwartungen an das Internet herantragen. Damit wird deutlich, dass die Novität, die mit dem Label Web 2.0 markiert wird, weniger technologischer Art ist, sondern vor allem als eine veränderte Wahrnehmung und Nutzung des Internets aufgefasst werden kann.

    Grenzen verschieben sich und lösen sich auf

    Die Veränderungen der Wahrnemung und Nutzung des Internet, die mit „Web 2.0“ angezeigt werden, kann durch die Verschiebung von drei Grenzen umschrieben werden:

    1. User vs. Autor

    Im „alten“ Web 1.0 ist eindeutig, ob ich User oder Autor einer Seite im Internet bin, in der Regel bin ich als User „Rezipient“ oder „Konsument“ einer Seite und damit ohne Rechte zur Bearbeitung von Inhalten. Als „Autor“ dagegen bin ich verantwortlich dafür, dass Inhalte auf eine Seite gelangen und dass die Inhalte akkurat und aktuell sind.

    Diese klare Grenze verschwimmt in Web 2.0: User werden Autoren und bringen aktuelle Inhalte ein, korrigieren Fehler und sorgen für eine „lebendige“ Website. Die Webseiten, wie sie etwa von großen Zeitungen und Zeitschriften im Internet eingestellt werden, werden von einem ganzen Team professioneller Redakteure – gegen Entgelt – betreut. Diese Seiten haben auch weiterhin ihre Berechtigung. Momentan wachsen im Internet aber vor allem solche Services, in denen Inhalte von Usern selbst eingestellt werden, sei es in eigenständige Anwendungen wie Wikepedia, in Foren zu beliebigen Themen, in denen man sich z.B. untereinander Hilfestellung leistet, oder aber als Kommentare in (kommerziellen) Website, wie Amazon. „User generated content“ etabliert sich damit als ein wesentlicher Kanal gesellschaftlicher Kommunikation, dessen Bedeutung bereits heute an verschiedenen Stellen erkennbar wird (vgl. Castells, 2004).

    2. lokal vs. entfernt

    Die „persönliche“ Datenverarbeitung ist in den 1980er Jahre vom „entfernten“ (Groß-) Rechner auf den „Desktop“ gewandert. Die Grenzziehung zwischen „lokal“ und „entfernt“ war lange Zeit offensichtlich. Meine Daten sind lokal auf Datenträgern gespeichert und werden auf dem PC lokal verarbeitet. Um Daten auf einem Webserver zu publizieren, werden diese von einem privaten PC auf einen entfernten Server kopiert, um sie öffentlich zugänglich zu machen.

    Plötzlich verändert sich diese klare Grenze: Damit ich von den verschiedenen Geräten, mit denen ich arbeite, auf alle meine Informationen zugreifen kann, wird es einfacher, wenn die Daten nicht mehr lokal gespeichert sind. Meine Daten wandern auf entfernte Datenspeicher, auf die ich mit breitbandigen Internetzugängen problemlos zugreifen und Datenbestände abgleichen kann. Auch bei den zunehmend interessanter werdenden Anwendungen, die vollständig im Internet-Browser ablaufen, ist nicht mehr offensichtlich, wo sie ihre Datenverarbeitung abwickeln. Und schließlich: Mein lokaler PC hängt gleichzeitig über eine Standleitung am Internet und kann somit als Webserver Daten öffentlich zugänglich machen. Das früher „Lokale“ = „Private“ wird öffentlich bzw. wandert auf entfernte Rechner und ein ursprünglich entfernt laufender Internetservice für eine Öffentlichkeit läuft unmittelbar auf meinem eigenen PC.

    3. privat vs. öffentlich

    Die Vorstellung von Privatheit hat sich in den letzten Jahrzehnten laufend verändert. Eine frühe Entwicklung hat die „Boulevard-Presse“ hervorgebracht, indem sie private Details von öffentlichen Personen, Berühmtheiten und Stars ausbreiteten, deren Veröffentlichung früher für „unschicklich“ gehalten wurden. Einen weiteren Einschnitt hat das sogenannte Privatfernsehen hervorgebracht, u.a. mit Talkshows, „Big Brother“ oder Reality TV, Formate, in denen – bis dahin unvorstellbare – private Dinge öffentlich gemacht wurden. Im Internet setzt sich diese Entwicklung fort: Die Grenzen des Privaten verschieben sich weiter ins Öffentliche.

    Im ersten, der oben beschriebenen Schritte waren durch die Veröffentlichung der Boulevard-Presse zunächst ohnehin „öffentliche Personen“ betroffen. Im zweiten Schritt, dem Privatfernsehen, betraf es zunehmend auch „einfache“ Menschen, die sich allerdings in der Regel selbst für oder gegen einen solchen Auftritt im Fernsehen entschieden. Ein Filter bestand darin, dass eine Redaktion bzw. ein Sender ein bestimmtes Thema aufgreifen muss und für ein Massenpublikum für attraktiv genug bewerten musste. Im Internet kann sich jede Person nun selbst darstellen, – in welchen Umfang und mit welchen Informationen sie mag. Es entfällt zum einen der Filter des „Senders“, alles kann allen gesagt werden. Auf den ersten Blick eine unglaublich spannende Chance für eine demokratischer Meinungsbildung und die Idee von „Agora“. Anderseits hat die spezifische Form der Artikulation im Internet einige Implikationen, die auf den Einzelnen zurückwirken (können) und deren Konsequenzen noch nicht ansatzweise erkennbar sind. Gemeint ist etwa das Phänomen, das Aussagen im Internet nicht „gelöscht“ werden können. Aussagen in Zeitungen oder dem Fernsehen sind „flüchtig“, doch über Suchmaschinen, Aggregatoren und andere Verwertungsagenten sind Aussagen, selbst wenn die Ursprungsdatei vollständig getilgt ist, praktisch nicht aus dem Internet zu entfernen. Sie hinterlassen „unauslöschbare“ Spuren, die noch nach Jahrzehnten identifizierbar sind. Zum anderen können Informationen, die von oder über eine Person in den unterschiedlichsten Kontexten erzeugt wurden, zusammengeführt werden und erlauben damit im Grunde Einblick in persönliche Profile von einer bis dahin unvorstellbaren Tiefe. Wenn Sie die private (ins öffentliche Netz gestellte) Bildersammlung einer Person mit ihren Bookmarks, ihren Einträgen in Internet-Foren und ihren sozialen Netzen zusammenführen, lässt sich in wenigen Minuten ein Einblick in das Privatleben einer Person erhalten, der früher nur engeren Freunden vorbehalten war.

    Verschiebung von Grenzen in der Hoch-/Schule

    Es wurden drei Grenzen beschrieben, die sich im Kontext von Web 2.0 verändern bzw. auflösen. Wir können die Veränderung dieser "Grenzziehungen" auch für die Institutionen Schule und Hochschule untersuchen.

    Analog zur Unterscheidung von „User vs. Autor“ können wir in der Hoch-/Schule von der Grenze zwischen Lernenden und Lehrenden sprechen, die sich bei Ansätzen des Web 2.0 relativiert. Die Grenze zwischen „lokal“ und „entfernt“ war für Lehrende und Lernende bislang ganz klar: „Entfernt“ ist die Hoch-/Schule, „lokal“ heißt „zuhause sein“ und mit diesen Orten verbinde ich ganz spezifische Bereiche meines Lebens. Mit ubiquitous computing verwischt sich diese Grenze: Ich kann überall lernen oder lehren oder mit Anderen privat und beruflich kommunizieren. Die konsequente Nutzung von instant messengers und anderen arwareness tools relativiert die Bedeutung des physikalischen Ortes meiner Präsenz beim Lehren und Lernen.

    Und schließlich die dritte Grenze zwischen „privat“ und „öffentlich“. Lernen ist eine private Aktivität, die ich im Unterricht oder zu Hause ausführe. Öffentlich wird diese erst, wenn ich mich einer Prüfung unterziehe, nur dann wird Gelerntes öffentlich. Mit der Diskussion über konstruktivistische Ansätze und ePortfolios wird Lernen zur „Performanz“; ich lerne, indem ich bestimmte (beobachtbare) Lernaktivitäten „zeige“. Ich entwickle ein Projekt, tausche mich mit Anderen in einem Forum aus und reflektiere meine Aktivitäten in einem Blog. Der Unterschied zwischen scheinbar privatem Lernen und öffentlichen Prüfen entfällt.

    Lernplattform oder Lernportal?

    Was bedeutet diese Veränderung der Wahrnehmung und Nutzung des Internet, die wir mit Web 2.0 umschreiben, konkret für die Zukunft des E-Learning?

    Bislang war die Entwicklung eines E-Learning Angebotes im Wesentlichen gleichbedeutend mit der Entwicklung von Contents, die Lernenden auf einem Server im Internet verfügbar gemacht wurden. Im Mittelpunkt des traditionellen E-Learning steht die Lernplattform, – eine Insel im Internet, die Autoren – mühsam – mit Inhalten beliefern, um sie attraktiv zu machen und mit „Leben“ zu füllen, - was übrigens oft genug nicht gelingt. Die Lernplattform bleibt oft ein „Datengrab“ und ohne Leben. Das Leben spielt sich gleich nebenan im Internet auf den vielen Homepages, auf denen sich die Lernende über alle möglichen Dinge des Lebens aktiv austauschen.

    Warum, so stellt sich die Frage, machen wir uns so viel Mühe, Contents und Werkzeuge auf diese Insel, die wir Lernplattform nennen, zu bringen? Wo das Internet doch selbst diese Inhalte ständig neu (re-)generiert und zig Werkzeuge bereit hält, die unsere Lernenden ebenso wie oft auch die Lehrenden bereits kennen und viel lieber nutzen als die in den Lernplattformen?

    Die Vorstellung, eine Lernplattform für die Lernenden mit Contents und Tools zu bestücken, hat – im Lichte der Entwicklung hin zu Web 2.0 – fast etwas Tragisches. In der Fürsorge für unsere Lerner klauben wir – aus Gewohnheit – allerlei nützliche Wissensressourcen und -werkzeuge zusammen und stellen sie ihnen auf eine nette, kleine Lerninsel bereit. Und dies, wo das Internet selbst doch eine Fülle an Materialien und Anwendungen bereithält, wie ich sie nie liefern könnte.

    Früher, zu Zeiten knapper Medien und aufwändiger Vervielfältigungsverfahren, war das Verfügbarmachen von Medien und Werkzeugen ein wichtiges Element des pädagogischen Ethos. Das Arbeitszimmer eines guten Lehrers quillt über vor Materialien und Kopien. Doch im Internet-Zeitalter relativiert sich diese Haltung, denn: Alle Materialien sind irgendwie schon da, und dann sind sie es auch wieder nicht, weil sie in der Menge der Informationen versteckt und nicht einfach auffindbar sind.

    Insofern wäre die Perspektive für E-Learning im Kontext von Web 2.0 eher ein Portal, das Wege ins Internet weist, - und neben diesen Wegweisern gerne auch (eigene) Inhalte und Werkzeuge bereithält. Es ist aber primär geleitet von der Idee, einen Startpunkt für im Netz verfügbare Informationen und Werkzeuge zu bieten, als dass es sich bemüht, diese „auf“ das Portal zu bringen. Es ist der Lerner selbst, der sich dann letztlich seine Umgebung konfiguriert und nicht der Lehrende. Diese veränderte Sicht drückt sich etwa in dem Begriff „Personal Learning Enviornment (PLE)“ aus, das verschiedene Autoren als Alternative zu Lernplattformen diskutieren. Das „Personal Learning Enviornment“ ist eine Umgebung des Lernenden, das etwa einen Weblog für individuelle Reflexionen, Wikis für kollaboratives Arbeiten und ein Portfolio als Ausweis eigener Arbeiten beinhaltet.

    Dieses „Personal Learning Enviornment“ sollte nicht als Alternative und auch nicht als Ergänzung einer konventionellen Lernplattform betrachtet werden. Vielmehr kann das bereits erwähnte Portal zum Lernen genau solche Funktionalitäten für die einzelnen Lerner und Communities von Lernenden beinhalten.

    Einbindung von Werkzeugen

    Wie könnte eine Lernplattform der Zukunft im Lichte der Entwicklung von Web 2.0 aussehen? Welche Rolle werden Contents und Werkzeuge spielen?

    Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Menschen mit der zunehmend alltäglichen Nutzung des Internet eine ganze Reihe von Werkzeuge für die Bearbeitung von Informationen und die Gestaltung von Kommunikation kennen und nutzen. Außerdem ändern sich Vorlieben der User schnell und die Politik der großen Softwarekonzerne tun ihr Eigenes dazu, dass sich digitale Wissenswerkzeuge auf dem Markt durchsetzen oder ganz plötzlich verschwinden. Lernangebote sollten deswegen möglichst „werkzeugneutral“ realisiert werden.

    Denn betrachtet man aus Sicht von Web 2.0, wie Wissenswerkzeuge in Lernplattformen konzipiert sind, dann erscheinen diese grundlegend fraglich angelegt. Die Aufforderung, mit dem dort jeweils inkludierten Diskussionsforum, Blog-, Chat- oder Konferenztool zu arbeiten, wäre so als ob wir von Studierenden fordern würden, sie müssten ihre Mitschriften auf kariertem Papier mit Bleistiften der Stärke HB mitschreiben und anschließend in Ordnern der Marke X archivieren.

      Ein ganz konkretes Beispiel aus meiner persönlichen Erfahrung: Sowohl unsere Studierenden, aber auch die Mitarbeitenden des Lehrstuhls sind nicht besonders interessiert daran, auf dem hochschul- bzw. lehrstuhleigenen Weblog-Server zu bloggen. Das dort vorgegebene Hochschuledesign und CI-konforme Template für das Layout bietet wenig Spielraum für den individuellen Ausdruck eigener Persönlichkeit. Doch für das Lernportal ist es hinreichend, wenn der Lerner seinen Weblog per RSS-Feed zur Verfügung stellen kann. Die Feeds aller Lernenden lassen sich leicht aggregieren und im Lernportal zusammenführen. Über diesen Mechanismus lassen sich Informationen aus dem Internet in das Lernportal hineinführen, aber genauso auch alle Informationen des Lernportals den Lernenden für ihre Anwendungen per Feed zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise wird das Lernportal zum Sammelpunkt, das schnelle Orientierung schafft, aber die Menschen nicht dazu zwingt, diese „Insel“ als den einen zentralen Ort anzuerkennen, auf dem Alles passiert. Es ist konsequent, das eine solche „dezentrale“ Organisation, den Lernenden und Lehrenden entgegen kommt.

    Drupal: CMS für Learning Communities

    Im Folgenden möchte ich Ihnen Erfahrungen vom Duisburg Learning Lab zu einer Arbeits- und Lernumgebung für Learning Communities vorstellen, in der einige der Überlegungen zu Web 2.0 eingeflossen sind. Es wird gehen um die Frage, ob / wie man ein CMS als Basis für eine solche Arbeits- und Lernumgebung heranziehen kann.

    Am Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement arbeiten wir seit mehreren Jahren mit verschiedenen Lernplattformen, die teilweise am Duisburg Learning Lab selbst entwickelt oder evaluiert wurden. Seit September 2005 nutzen wir die open source Lösung Drupal, ein Content Management System, das konzeptuell besonderes deutlich durch Ideen von Web 2.0 und social software geprägt ist. Auf den ersten Blick erinnert es eher an ein Wiki als an ein CMS, – alle Inhalte sind, wie in einem Wiki, für User mit entsprechenden Rechten unmittelbar „vor Ort“ erstellbar und editierbar. Andere CMS trennen die Umgebung von User und Autor und bilden dies ab durch ein „Frontend“ für den User und ein „Backend“ (Redaktionssystem), in dem der Autor seine Inhalte einstellt und gestaltet.

    Inhalte in Drupal sind zum Beispiel Artikel, die auf der Startseite eingestellt werden, Seiten, die gemeinsam editiert werden können, Blogeinträge, die im eigenen oder in einer gemeinsamen Blogroll angezeigt werden, Termine, die in Kalender angezeigt werden, Anmeldungen für Termine oder Bilder, die in Galerien gesammelt werden. Darüber hinaus lassen sich weitere, eigene Inhaltstypen sehr einfach selbst definieren („Flexinode“). Wir haben einen Inhaltstyp Lehrveranstaltung, in dem Informationen über Lehrveranstaltungen aufgeführt sind, den Inhaltstyp Zeitschrift, in dem sich eine Liste mit relevanten Zeitschriften für unseren Bereich finden, Projekte, Prüfungsarbeiten, Publikationen und manches mehr.

    Alle Inhalte sind in Drupal zunächst einfach „Nodes“ und können als solche alle bestimmte Eigenschaften von Nodes nutzen, etwa: Nodes können mit Tags versehen werden und als RSS-Feed exportiert und importiert werden. Drupal setzt damit konsequent die Idee um, alle Inhalte des Systems exportierbar zu machen und externe Inhalte per RSS-Feed in das System importieren zu können. Seine Flexibilität erhält das System dadurch, dass Inhalte mit freien Tags versehen werden, die die Inhalte beschreiben und nach denen Inhalte für Feeds zusammengestellt werden können. Auf diese Weise lassen sich Nachrichten aus externen Blogsm etwa von Studierenden und Mitarbeitenden, und Informationen von externen Sites, etwa Neuigkeiten zum Thema E-Learning, einbinden.

    Für angemeldete User können beliebige Felder angelegt werden, die dem Community-Building dienlich sind. Wir haben etwa Felder vorgesehen, in denen Links auf persönliche (externe) Internet-Tools hinterlegt werden können, z.B. die persönliche Website, Flickr, Furl, ICQ, Yahoo, Skype oder ähnliches, also alles Services, die anderswo betrieben werden, und auf der Drupal-Site –für die „Learning Comunity“ sichtbar – zusammengeführt werden. Auf diese Weise können die Mitglieder untereinander ihre Bookmark-Liste, Termine, Bilder usw. einsehen und tauschen, wodurch das System ein Community-Building unterstützt. Die Website wird zu einem Ort des sozialen Austausches, – ohne dass sie den Einzelnen zwingt, diesen Ort als „den“ zentralen Ort anzuerkennen, an dem er / sie alle Informationen einbringen muss. Es ist umgekehrt: Das System holt sich die Informationen von verschiedenen Orten und führt sie lediglich so zusammen, dass ein lebendiger Ort entsteht, der ihn zunehmend interessant macht.
    Die Vernetzung mit den externen Anwendungen geschieht hier über RSS-Feeds, technisch ein wenig anspruchsvoller Mechanismus, der sich momentan allerdings – rasend schnell - wie eine Schicht über das vorhandene Internet zieht. Im traditionellen Web bestand der zentrale Mechanismus zur Vernetzung von Informationen aus HTML-Links: Um von einer Seite auf eine andere Seite zu verweisen, setze ich eine HTML-Link, durch dessen Aufruf der Benutzer dann auf diese Seite wechseln wird. Der RSS-Feed ermöglicht es dagegen, die Information der anderen Seite auf meine Website zu holen, ohne dass der Benutzer auf diese Seite wechseln muss, d.h. ich aggregiere Informationen statt auf sie zu verlinken.

    Dieser Mechanismus hat technische Limitationen, die bereits heute erkennbar sind. Es ist beispielsweise nur schwer möglich, den Austausch von RSS-Feeds auf bestimmte, autorisierte Nutzergruppen zu beschränken. Auch lassen sich schwerlich Parameter übergeben, d.h. die wechselseitige Kommunikation zwischen Sender und Empfänger des Feeds ist beschränkt. Hier setzen anspruchsvollere Mechanismen an, wie Web Services oder Portlets, die eine echte Kommunikation zwischen einem Client, dem Internet-Browser, und einer Anwendung auf einem Server erlauben. Auf diese Weise können Daten auch zwischen Anwendungen ausgetauscht werden und es lässt sich ein „single sign on“ realisieren, mit dem man sich nur einmal mit Login-Informationen anmelden muss. Der Begriff „Webportal“ ist mit diesen Technologien verknüpft, und insofern wäre eine Drupal-Website, wie beschrieben, keine Webportal im technischen Sinne. Es bildet allerdings mit den beschriebenen Mechanismen inhaltlich eine Funktion ab, die der eines „echten“ Webportals in Ansätzen entspricht. Hier wird zu beobachten sein, in welche Richtung sich die Möglichkeiten solcher Webportale für Lehr-Lernzwecke entwickeln und wie sich die aktuellen Technologien, wie JSR 168 / WSRP, XML-RPC / SOAP, WSDL / UDDI in diesem Bereich etablieren können. Es ist jedenfalls bemerkenswert, wie schnell sich mit den RSS-Feeds gegenüber diesen anspruchsvollen Ansätzen im Internet zunächst (erneut) eine sehr einfache Technologie durchsetzen konnte.

    Drupal Community LMS

    Kurzinfo: Drupal Community-LMS (DrupaLMS)

    Ausgangspunkt

    Drupal ist ein Content Management System, welches Ansätze von Web 2.0 konsequent umsetzt: CMS gehen traditionell von einer eher strikten Trennung der Rollen von Autoren und Usern aus.

    Drupal bietet ebenfalls eine differenziertes Rollen- und Rechtesystem; es basiert aber primär auf der Idee, dass User sich aktiv an der Website beteiligen können, sei es mit eigenen Beiträgen, Kommentaren, Foren- und Blogeinträgen usw.

    Auf diese Weise schafft Drupal (relativ: out of the box) die Grundlage für die Entwicklung aktiver Communities, für die Kommunikation und den Dialog zwischen Mitgliedern einer solchen Gruppe von Usern.

    Für die Mediendidaktik stellt sich die Frage, ob und wie eine solche Umgebung eine technische Basis bietet, um den Aufbau und die Arbeit von Lerngemeinschaften zu unterstützen. Traditionelle Learning Management Systeme basieren primär auf der Idee, Content für Lernende bereit zu stellen, -- auch wenn sie vielfältige Möglichkeiten für Kommunikation anbieten. Geht man aber von einem didaktischen Ansatz aus, der individuelle und soziale Lernaktivitäten fokussiert, dann relativiert sich die Bedeutung der Distribution von Content.

    Moodle bspw. ist ein LMS, das verchiedene Typen von Lernaktvitäten fokussiert und Lehrende konsequent bei der Gestaltung solcher Lernaktivitäten unterstützt. Hier ist also ein LMS so konzipiert, das entsprechende didaktische Ansätze verfolgt. Umgekehrt stellt sich dann die Frage, ob und inweiweit man auch ein community-orientiertes Content System als Basis für einen entsprechenden Ansatz verfolgen kann.

    DLMS

    Drupal Community LMS (DrupaLMS) basiert auf folgenden Überlegungen: Es bietet Seminar- oder Lerngruppen eine Umgebung,

    • .. in der sie aktiv und gemeinsam an Lernaufgaben arbeiten
    • .. in der die Ergebnisse von Lernprozessen unmittelbar sichtbar und dokumentiert sind ("Portfolio-Ansatz")
    • .. in der die Mitglieder der Gruppe "persönlich" sichtbar werden und
    • .. in der sie sich auch persönlich austauschen können sowie Anmerkungen Kommentare und Wertungen abgeben können
    • .. in der Blogs geführt werden können und externe Blogs zusammengeführt werden
    • .. in der Texte, Materialien, Verweise und Werkzeuge - seitens der Lehrperson und von Lernenden - eingestellt werden können
    • .. in der sachlich relevante Inhalte aus dem Internet per Newsfeeds aggregiert und zur Verfügung gestellt werden
    • .. in der jederzeite Befragungen erstellt und ausgewertet werden können
    • .. die abgestufte Formen der "Privatheit" von Äusserungen ermöglicht
    • .. die "inplace" Editierfunktionen bietet, wie sie etwa bei Wikis üblich sind.

    Implementation

    DMLS ist unter Drupal 4.7 realisiert und wird zur Zeit erprobt als Umgebung zur Begleitung eines Präsenzseminar für Studiernede der Erzehungswissenschaft sowie des Lehramts am Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement, unter

    http://biwi.online-campus.net

    Wir werden am Ende des Semesters die Ergebenisse und Erfahrungen auswerten und publizieren. (Hinweis: Der Zugang zu den Seminargruppen ist auf Wunsch der Studierenden passwortgeschützt.)

    2.0-Lernportal

    Was ergibt sich aus diesen Überlegungen als weitere Perspektive für das E-Learning?

    Die Idee einer Lernplattform als einer Insel im Internet, auf die alle Materialien und Werkzeuge für das Lehren und Lernen zu bringen sind, erscheint – aus Sicht der geschilderten Entwicklungen hin zu Web 2.0 – fragwürdig. Aus der Diskussion über Web 2.0 und vorliegenden Erfahrungen mit Drupal als „CMS für Learning Communities“ – also für die Unterstützung netzbasierter Lernprozesse von Gruppen – lassen sich folgende Perspektiven für mögliche E-Learning Umgebungen der Zukunft ableiten:

    1. Eine E-Learning Umgebung wäre als „Tor“ ins Internet aufzufassen, das Lernenden Wege zu Lernmaterialien und -werkzeugen weist, die sich irgendwo im Internet befinden. Gleichzeitig sind in diesem Portal auch eigene Materialien, vor allem zur Strukturierung des Lernprozesses (etwa Lernaufgaben), eingestellt.
    2. Das Lernportal greift auf Materialien zu, die im Netz verfügbar sind, und bindet sie in das eigene Angebot ein. Diese Materialien sind oft von niedriger Komplexität (s.a. „Microcontent“) und werden im XML-Format / als RSS-Feeds von einer anderen Website oder einem Webservice bezogen.
    3. Komplexere Materialien können im Lernportal als Lernobjekte eingebunden und vom Lerner bearbeitet werden. In Lernobjekten werden neben den eigentlichen Materialien weitere Informationen über deren Struktur (z.B. Sequenzen) und deren Inhalte als Metadaten mitgeliefert. Die Nutzung standard-konformer Lernobjekte wird durch Wiedergabemodule in Lernportalen ermöglicht werden.
    4. Die eigenen (zum Teil auch aggregierten) Informationen und Materialien werden als Feeds für externe Anwendungen zur Verfügung gestellt. Damit können diese Informationen außerhalb des Portals und mit anderen Geräten genutzt werden (wie z.B. Audio-Podcasts auf mobilen Endgeräten).
    5. Die Umgebung bietet Lernenden wie Lehrenden die gleichen Werkzeuge für das Einstellen, (gemeinsame) Bearbeiten und Teilen von Wissen, wie z.B. Weblogs, Wikis, Foren, Bilder, Kalender usw.. Die Grenze zwischen Lernenden und Lehrenden reduziert sich damit auf wenige Unterschiede in den Rechten. Lernende und Lehrende sind aktive Mitgestalter des Lernportals.
    6. Um Informationen wieder auffinden zu können und anderen verfügbar zu machen (zu „teilen“), nutzen die User – Lernende wie Lehrende – sowohl freie Tags als auch Schlagworte aus vorgegebenen Taxonomien.
    7. Die Umgebung überlässt dem User so weit wie möglich die Wahl von Werkzeugen für Kommunikation und die Bearbeitung von Materialien. Die Lernenden werden unterstützt und ermuntert, sich (a) ihre eigene Arbeitsumgebung – auch unter Nutzung anderer, externer Werkzeuge – zu schaffen und (b) gemeinsam mit Anderen Werkzeuge für den Austausch und die gemeinsame Bearbeitung von Materialien zu wählen.
    8. Es gibt keine künstliche Unterscheidung zwischen einer Lern- und einer Arbeitsumgebung, sowohl für Lehrende wie auch für Lernende. Die Lehrenden realisieren ihre Lehrtätigkeit durch Präsenz in der Lernumgebung und deren aktive Weiter-Entwicklung.
    9. Die Umgebung unterstützt soziale Gruppenprozesse, indem sichtbar wird, mit welchen Werkzeugen die Benutzenden arbeiten (z.B. Furl oder Del.icio.us) bzw. mit welchen Kommunikationswerkzeugen sie wie ansprechbar sind (z.B. ICQ, Yahoo, Sykpe). Zugleich zeigt das System an, ob und mit welchem Kommunikationswerkzeug eine Person momentan erreichbar ist (social presence).
    10. Das System unterstützt Gruppenbildung (community building), indem sichtbar wird, wer wie viele Beiträge eingestellt hat, welche Beiträge wie oft abgerufen werden und wie die Beiträge von Anderen bewertet worden sind: Es wird sichtbar, wer sich in der Gruppe besonders engagiert.
    11. Die Mitgliedschaft zu einer Community sollte attraktiv sein. Registrierte User und Mitglieder einer Lerngruppe genießen bestimmte „Privilegien“: Sie erhalten zum Beispiel Zugang zu „mehr“ Informationen und erhalten mehr Rechte (etwa des Kommentierens, Einstellens und Bearbeitens von bestimmten Arten von Informationen).
    12. Das Lernportal dokumentiert Lernprozesse und Lernergebnisse der Beteiligten. Die Lernprozesse werden automatisch dokumentiert (etwa durch Beteiligung an Diskussionen) und Lernergebnisse sind – zumindest für die Gruppe – im Netz einsehbar (etwa in Wikis) und können in Portfolios der Person sichtbar gemacht werden.
    13. Die Lernenden werden zu einer Reflexion ihrer Lernprozesse (Setzen von Zielen, Erkennen des eigenen Lernfortschritts usw.) im Netz angeregt (etwa durch Weblogs).
    14. Die Didaktisierung des Angebotes (= die Leistung eines E-Learning Anbieters) eines solchen Lernportals entsteht durch
        a.die Einstellung und (Neu-) Zusammenstellung von Materialien (einschließlich deren Sequenzierung),
        b.durch Lernaufgaben, die zur Verfügung gestellt werden und den Lernprozess strukturieren, sowie
        c.durch unterschiedliche Varianten von Betreuungsleistungen (einschließlich der Prüfung / Zertifizierung).
    15. Lehrende gehen mit gutem Beispiel voran. Sie beteiligen sich aktiv an der Gestaltung der Lernumgebung, u.a. durch die Beteiligung an Diskussionen, durch die eigene Nutzung und Bekanntgabe der genutzten Wissens- und Kommunikationswerkzeuge oder das Führen eines Weblogs. Sie sind präsent in der Lernumgebung und reagieren schnell etwa auf Fehlermeldungen oder andere Rückmeldungen.

    Didaktischer Ansatz eines Lernportals

    Zum Schluß stellt sich die Frage: Welchen mediendidaktischen Ansatz verfolgt ein derartiges 2.0–Lernportal? Lässt sich ein Zusammenhang mit einem bestimmten theoretischen Ansatz in der Didaktik herstellen?

    Sicherlich unterstützt das skizzierte Portal in besonderer Weise solche Lernaktivitäten, die in irgendeiner Weise im sozialen Kontext einer Gruppe stattfinden. Dabei könnte man einwenden: Eine Person, die sich schnell und als einzelne Person, bestimmte Informationen oder Kompetenzen aneignen will, wird nicht unbedingt in einer „learning community“ partizipieren wollen. Dennoch ist zu bedenken: Auch wenn Sie etwa bei Amazon eigentlich nur Produkte einkaufen wollen, und nicht im Geringsten daran denken, dass sie sich dort in einer Community von „Gleichgesinnten“ bewegen, so macht die Attraktivität dieses elektronischen Kaufhauses gerade die konsequente Nutzung entsprechender Merkmale von „social software“ aus (Mosel, 2005): Rückmeldungen und Wertungen anderer Käufer, Informationen über die Kauf- und Aufrufhäufigkeiten und Empfehlungen auf der Basis von Analysen des Benutzerverhaltens gehören zu den wichtigsten und wertvollsten Daten dieses Kaufhauses, das seine überragende Markstellung begründet.

    Insofern erscheint eine solche Lernumgebung, die das Lernen in einem sozialen Raum verankert, grundsätzlich attraktiv, - auch für Menschen, die nicht besonders von und in der Interaktion mit Anderen lernen wollen. User generated contents – seien es explizit von Lerner erstellte oder implizit durch das Benutzerverhalten erschlossene – sind für andere Lerner eine wertvolle Ressource, die ein Lernportal in jedem Fall attraktiv macht.

    Das so skizzierte Lernportal unterstützt insbesondere didaktische Ansätze, die aktives Lernen in den Mittelpunkt stellen, bei denen Lernende etwas mit Lerninhalten aktiv tun, d.h. sich mit Fällen, Problemen, Projekten beschäftigen und im Portal sichtbare Lernergebnisse produzieren. Gleichzeitig ist ein solches Portal allerdings weitgehend offen gegenüber dem favorisierten didaktischen Ansatz. Es hindert oder unterstützt weder einen behavioristischen noch irgendeinen konstruktivistischen Ansatz. Aus meiner Sicht wäre dies durchaus als Vorteil zu werten, weil so Umgebungen geschaffen werden können, die flexibel genug sind, um die sich in einem bestimmten didaktischen Feld stellenden Bildungsprobleme angehen zu können.

    In jedem Fall bleibt es spannend: Mit der Diskussion um Web 2.0 und den damit verbundenen Entwicklungen scheinen einige wesentliche Neuerungen verbunden, mit denen sich schon jetzt neue Perspektiven des E-Learning abzeichnen.


    Kontakt:
    Michael Kerres, Duisburg Learning Lab

    Literatur

    Literatur

    • Baumgartner, P. (2004). Didaktik und Reusable Learning Objects. In D. Carstensen & B. Barrios (Eds.), Campus 2004. Kommen die digitalen Medien an den Hochschulen in die Jahre? (Vol. 29). Münster: Waxnann.
    • Castells, M. (2004). Die Internet-Galaxie: Internet, Wirtschaft und Gesellschaft. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
    • Mosel, S. (2005, 23-24 June 2005). Self Directed Learning With Personal Publishing and Microcontent. Constructivist Approach and Insights for Institutional Implementations. Paper presented at the Microlearning, Innsbruck.
    • O'Reilly, T. (2005). What Is Web 2.0? Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software, from http://www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/tim/news/2005/09/30/what-is-web-20.html

    s.a.

    • Kerres, M.(2006): Potenziale von Web 2.0 nutzen. In Hohenstein, A. & K. Wilbers (Hg.) Handbuch E-Learning, München: DWD-Verlag.
    • Kerres, M. (2007): Mediendidaktische Potenziale von Web 2.0–Lernportalen. In Handbuch "Grundlagen der Weiterbildung" - Praxishilfen
    • Kerres, M. (2007): Web 2.0 and E-Learning: "Drupal" as a CMS for learning communities. In Proceedings of "Online Educa 2007", Berlin
    • Kerres, M. & A. Nattland (2007): Implikationen von Web 2.0 für das E-Learning. In Gehrke, G. (Hrsg.) Web 2.0 - Schlagwort oder Megatrend? Fakten, Analysen, Prognosen. Schriftenreihe Medienkompetenz des Landes Nordrhein-Westfalen, Band 6, München, Kopäd.

    “Web 2.0 & E-Learning"

    Hier der direkte Link auf Web 2.0 und E-Learning: die Folien, den Podcast (als MP3) und die Praxisanleitung:

    Guidelines for an elearning scenario following a “Web 2.0” approach

    1. An elearning environment should be perceived as a “gate” to the internet with paths to existing materials and contents on the net as well as materials that have been developed / assemebled / uploaded just for this environment (especially assignments for learning).

     

    2. The learning portal aggregates contents from the net and integrates them as an integral part of the learning environment. These materials typically consist of a low complexity (“microcontent”) and are fetched by XML-feeds from other sites.

    3. Complex materials can be integrated as learning objects that contain learning materials as well as metadata describing the content, e.g. a sequence for presenting the content.

    4. Materials that are being produced within the learning environment should be offered as feeds for reuse at other sites on the net, e.g. for delivery on mobile devices.

    5. Learners and teachers / authors use the same tools for working with contents of various kinds, for editing and sharing documents, like weblogs, wikis, forum, pictures, calendars. Teachers and learners actively participate in developing the learning environment – with small differences regarding administrative rights to the learning environment.

    6. In order to find information and to share them with others teachers as well as learners use free tags or tags from a taxonomy to describe these information.

    7. As far as possible, users can choose tools of their choice to produce and work on content. Learners are encouraged to arrange their own digital work space and to integrate existing tools to construct and share documents.

    8. There is a smooth transition between the personal learning environment and the environment people use for their work and other personal activities on the net. Teaching means observing, participating and evaluating the individual and social learning activities within the learning environment.

    9. The environment supports social group processes by making visible what tools the users prefer and providing direct access to these tools (e.g. furl or del.icio.us). This does also relate to the use of communication tools. Users should be free to use those tools they prefer. The learning environment simply presents which tool a user prefers to be reached on the net (e.g. ICQ, Yahoo, Skype). Furthermore, it displays if the user currently is available with one of these tools.

    10. The system supports community building by presenting who the members of the group are (background, interests, competencies ..), how they have contributed so far, how often these contributions have been accessed and evaluated by others. Thus, the system publishes the degree of personal engagement of each user.

    11. It should be attractive to become a member of the community. Registrated users and members of learning groups should enjoy certain privileges. They have access to more information and gain more rights, e.g. to promote information to the front page and to comment immediately).

    12. The environment documents the learning activities and results automatically. Contributions become visible to other learners and the teacher, they can be included directly into an e-portfolio of the user (and the institution).

    13. Learners are encouraged to reflect their learning activities (Did I set appropriate goals? Did I make a sufficient progress?), for example with a Weblog.

    14. An elearning provider generates an added value to customers by supplying - new and re-arranged (sequenced) (micro-) contents for the learning environment, - assignments that structure the learning process and - different variants of tutorial support (including examination and certification).

    15. Teachers provide a role model. They are actively engaged and show their presence in the learning environment, e.g. by using the tools the environment offers, by supplying personal information, by supplying materials and participating in discussions, by using a weblog and working on wikis. They react on feedback and error messages immediately.

     

    from: Kerres, M. (2006) Microlearning as a challenge for instructional design. In: Hug, T. & Lindner, M. (Eds.) Didactics of Microlearning. Muenster: Waxmann.