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Web 2.0 und E-Learning

IG 12

Ein Buzzword?

Welche neuen Muster der Wahrnehmung und Nutzung des Internet steckt hinter dem Begriff Web 2.0?

Ein Merkmal, der mit dem Label Web 2.0 bezeichneten Anwendungen ist beispielsweise, dass bisher konventionell auf PCs laufende Anwendungen ins Netz gehen und dabei die spezifischen Möglichkeiten des Internet konsequent ausschöpfen: Ein Photoarchiv befand sich bislang auf meinem PC, nun kann ich die Photos ins Internet stellen – und Anderen zeigen. Mit Schlagworten versehen, ergibt dies ein überraschend neues Erlebnis: Ich kann plötzlich Photos zu einem bestimmten Schlagwort von mir ganz unbekannten Personen einsehen und Schritt für Schritt entsteht eine „Community“: eine Gemeinschaft von Menschen mit gleichen Interessen oder Anliegen. Flickr, eine solche Anwendung zum Teilen von Photos im Netz, war ganz sicher nicht der Anfang von social software, sie zeigte aber erstmals einer Masse von Usern, welche zusätzliche Qualität beim Übergang einer „konventionellen“ Computeranwendung vom lokalen PC ins Internet entstehen kann.

Der Begriff Web 2.0 umreißt diese neue Sicht auf das Internet. Natürlich kann Web 2.0 als buzzword ohne jeglichen Inhalt infrage gestellt werden. Ursprünglich tatsächlich „nur“ als Marketingbegriff für eine Serie von Tagungen in den USA eingeführt, stieß er auf eine überraschend hohe Resonanz in der Öffentlichkeit und schmückte im März 2006 sogar das Titelblatt von Newsweek. Diese starke Aufnahme in der Öffentlichkeit verdeutlicht, dass der Begriff eine Veränderung andeutet, die Nutzer des Internets tatsächlich spüren. Es kommt etwas in Bewegung, das mit dem Begriff Web 2.0 zwar nur vage umrissen ist, aber dennoch eine wesentliche Veränderung anzeigt.

Die Hintergründe sind mehrschichtig: Die Rede vom ubiquitären Zugang zum Internet wird zunehmend Realität; wir greifen auf das Internet zu mit verschiedenartigen Geräten und das von zuhause, unterwegs und der Arbeit. Das Internet wird für immer mehr Menschen Teil des täglichen Lebens. Das Internet ist damit nicht mehr nur ein Ort um „Informationen einzustellen“, sondern avanciert zu einem Medium sozialer Kommunikation. Das Internet ist als ein universelles Medium ein Artefakt kollektiver Projektionen und kultureller Konstruktionen. Das besondere am Internet: Es kann sowohl eine „Zeitung“, ein „Fernsehen“, ein „Radio“ oder ein „Telefon“ sein. Wir definieren, was dieses Medium ist, durch unsere Nutzung und durch unsere Erwartung, also durch das, was wir mit dem Medium tun. Und momentan erfindet sich das Internet neu, indem wir neue Handlungsmuster und neue Erwartungen an das Internet herantragen. Damit wird deutlich, dass die Novität, die mit dem Label Web 2.0 markiert wird, weniger technologischer Art ist, sondern vor allem als eine veränderte Wahrnehmung und Nutzung des Internets aufgefasst werden kann.