
Die Veränderungen der Wahrnemung und Nutzung des Internet, die mit „Web 2.0“ angezeigt werden, kann durch die Verschiebung von drei Grenzen umschrieben werden:
1. User vs. Autor
Im „alten“ Web 1.0 ist eindeutig, ob ich User oder Autor einer Seite im Internet bin, in der Regel bin ich als User „Rezipient“ oder „Konsument“ einer Seite und damit ohne Rechte zur Bearbeitung von Inhalten. Als „Autor“ dagegen bin ich verantwortlich dafür, dass Inhalte auf eine Seite gelangen und dass die Inhalte akkurat und aktuell sind.
Diese klare Grenze verschwimmt in Web 2.0: User werden Autoren und bringen aktuelle Inhalte ein, korrigieren Fehler und sorgen für eine „lebendige“ Website. Die Webseiten, wie sie etwa von großen Zeitungen und Zeitschriften im Internet eingestellt werden, werden von einem ganzen Team professioneller Redakteure – gegen Entgelt – betreut. Diese Seiten haben auch weiterhin ihre Berechtigung. Momentan wachsen im Internet aber vor allem solche Services, in denen Inhalte von Usern selbst eingestellt werden, sei es in eigenständige Anwendungen wie Wikepedia, in Foren zu beliebigen Themen, in denen man sich z.B. untereinander Hilfestellung leistet, oder aber als Kommentare in (kommerziellen) Website, wie Amazon. „User generated content“ etabliert sich damit als ein wesentlicher Kanal gesellschaftlicher Kommunikation, dessen Bedeutung bereits heute an verschiedenen Stellen erkennbar wird (vgl. Castells, 2004).
2. lokal vs. entfernt
Die „persönliche“ Datenverarbeitung ist in den 1980er Jahre vom „entfernten“ (Groß-) Rechner auf den „Desktop“ gewandert. Die Grenzziehung zwischen „lokal“ und „entfernt“ war lange Zeit offensichtlich. Meine Daten sind lokal auf Datenträgern gespeichert und werden auf dem PC lokal verarbeitet. Um Daten auf einem Webserver zu publizieren, werden diese von einem privaten PC auf einen entfernten Server kopiert, um sie öffentlich zugänglich zu machen.
Plötzlich verändert sich diese klare Grenze: Damit ich von den verschiedenen Geräten, mit denen ich arbeite, auf alle meine Informationen zugreifen kann, wird es einfacher, wenn die Daten nicht mehr lokal gespeichert sind. Meine Daten wandern auf entfernte Datenspeicher, auf die ich mit breitbandigen Internetzugängen problemlos zugreifen und Datenbestände abgleichen kann. Auch bei den zunehmend interessanter werdenden Anwendungen, die vollständig im Internet-Browser ablaufen, ist nicht mehr offensichtlich, wo sie ihre Datenverarbeitung abwickeln. Und schließlich: Mein lokaler PC hängt gleichzeitig über eine Standleitung am Internet und kann somit als Webserver Daten öffentlich zugänglich machen. Das früher „Lokale“ = „Private“ wird öffentlich bzw. wandert auf entfernte Rechner und ein ursprünglich entfernt laufender Internetservice für eine Öffentlichkeit läuft unmittelbar auf meinem eigenen PC.
3. privat vs. öffentlich
Die Vorstellung von Privatheit hat sich in den letzten Jahrzehnten laufend verändert. Eine frühe Entwicklung hat die „Boulevard-Presse“ hervorgebracht, indem sie private Details von öffentlichen Personen, Berühmtheiten und Stars ausbreiteten, deren Veröffentlichung früher für „unschicklich“ gehalten wurden. Einen weiteren Einschnitt hat das sogenannte Privatfernsehen hervorgebracht, u.a. mit Talkshows, „Big Brother“ oder Reality TV, Formate, in denen – bis dahin unvorstellbare – private Dinge öffentlich gemacht wurden. Im Internet setzt sich diese Entwicklung fort: Die Grenzen des Privaten verschieben sich weiter ins Öffentliche.
Im ersten, der oben beschriebenen Schritte waren durch die Veröffentlichung der Boulevard-Presse zunächst ohnehin „öffentliche Personen“ betroffen. Im zweiten Schritt, dem Privatfernsehen, betraf es zunehmend auch „einfache“ Menschen, die sich allerdings in der Regel selbst für oder gegen einen solchen Auftritt im Fernsehen entschieden. Ein Filter bestand darin, dass eine Redaktion bzw. ein Sender ein bestimmtes Thema aufgreifen muss und für ein Massenpublikum für attraktiv genug bewerten musste. Im Internet kann sich jede Person nun selbst darstellen, – in welchen Umfang und mit welchen Informationen sie mag. Es entfällt zum einen der Filter des „Senders“, alles kann allen gesagt werden. Auf den ersten Blick eine unglaublich spannende Chance für eine demokratischer Meinungsbildung und die Idee von „Agora“. Anderseits hat die spezifische Form der Artikulation im Internet einige Implikationen, die auf den Einzelnen zurückwirken (können) und deren Konsequenzen noch nicht ansatzweise erkennbar sind. Gemeint ist etwa das Phänomen, das Aussagen im Internet nicht „gelöscht“ werden können. Aussagen in Zeitungen oder dem Fernsehen sind „flüchtig“, doch über Suchmaschinen, Aggregatoren und andere Verwertungsagenten sind Aussagen, selbst wenn die Ursprungsdatei vollständig getilgt ist, praktisch nicht aus dem Internet zu entfernen. Sie hinterlassen „unauslöschbare“ Spuren, die noch nach Jahrzehnten identifizierbar sind. Zum anderen können Informationen, die von oder über eine Person in den unterschiedlichsten Kontexten erzeugt wurden, zusammengeführt werden und erlauben damit im Grunde Einblick in persönliche Profile von einer bis dahin unvorstellbaren Tiefe. Wenn Sie die private (ins öffentliche Netz gestellte) Bildersammlung einer Person mit ihren Bookmarks, ihren Einträgen in Internet-Foren und ihren sozialen Netzen zusammenführen, lässt sich in wenigen Minuten ein Einblick in das Privatleben einer Person erhalten, der früher nur engeren Freunden vorbehalten war.
A Web 2.0 site allows its
A Web 2.0 site allows its users to interact with other users or to change website content, in contrast to non-interactive websites where users are limited to the passive viewing of information that is provided script to them.