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Web 2.0 und E-Learning

Tanja Adamus

Lernplattform oder Lernportal?

Was bedeutet diese Veränderung der Wahrnehmung und Nutzung des Internet, die wir mit Web 2.0 umschreiben, konkret für die Zukunft des E-Learning?

Bislang war die Entwicklung eines E-Learning Angebotes im Wesentlichen gleichbedeutend mit der Entwicklung von Contents, die Lernenden auf einem Server im Internet verfügbar gemacht wurden. Im Mittelpunkt des traditionellen E-Learning steht die Lernplattform, – eine Insel im Internet, die Autoren – mühsam – mit Inhalten beliefern, um sie attraktiv zu machen und mit „Leben“ zu füllen, - was übrigens oft genug nicht gelingt. Die Lernplattform bleibt oft ein „Datengrab“ und ohne Leben. Das Leben spielt sich gleich nebenan im Internet auf den vielen Homepages, auf denen sich die Lernende über alle möglichen Dinge des Lebens aktiv austauschen.

Warum, so stellt sich die Frage, machen wir uns so viel Mühe, Contents und Werkzeuge auf diese Insel, die wir Lernplattform nennen, zu bringen? Wo das Internet doch selbst diese Inhalte ständig neu (re-)generiert und zig Werkzeuge bereit hält, die unsere Lernenden ebenso wie oft auch die Lehrenden bereits kennen und viel lieber nutzen als die in den Lernplattformen?

Die Vorstellung, eine Lernplattform für die Lernenden mit Contents und Tools zu bestücken, hat – im Lichte der Entwicklung hin zu Web 2.0 – fast etwas Tragisches. In der Fürsorge für unsere Lerner klauben wir – aus Gewohnheit – allerlei nützliche Wissensressourcen und -werkzeuge zusammen und stellen sie ihnen auf eine nette, kleine Lerninsel bereit. Und dies, wo das Internet selbst doch eine Fülle an Materialien und Anwendungen bereithält, wie ich sie nie liefern könnte.

Früher, zu Zeiten knapper Medien und aufwändiger Vervielfältigungsverfahren, war das Verfügbarmachen von Medien und Werkzeugen ein wichtiges Element des pädagogischen Ethos. Das Arbeitszimmer eines guten Lehrers quillt über vor Materialien und Kopien. Doch im Internet-Zeitalter relativiert sich diese Haltung, denn: Alle Materialien sind irgendwie schon da, und dann sind sie es auch wieder nicht, weil sie in der Menge der Informationen versteckt und nicht einfach auffindbar sind.

Insofern wäre die Perspektive für E-Learning im Kontext von Web 2.0 eher ein Portal, das Wege ins Internet weist, - und neben diesen Wegweisern gerne auch (eigene) Inhalte und Werkzeuge bereithält. Es ist aber primär geleitet von der Idee, einen Startpunkt für im Netz verfügbare Informationen und Werkzeuge zu bieten, als dass es sich bemüht, diese „auf“ das Portal zu bringen. Es ist der Lerner selbst, der sich dann letztlich seine Umgebung konfiguriert und nicht der Lehrende. Diese veränderte Sicht drückt sich etwa in dem Begriff „Personal Learning Enviornment (PLE)“ aus, das verschiedene Autoren als Alternative zu Lernplattformen diskutieren. Das „Personal Learning Enviornment“ ist eine Umgebung des Lernenden, das etwa einen Weblog für individuelle Reflexionen, Wikis für kollaboratives Arbeiten und ein Portfolio als Ausweis eigener Arbeiten beinhaltet.

Dieses „Personal Learning Enviornment“ sollte nicht als Alternative und auch nicht als Ergänzung einer konventionellen Lernplattform betrachtet werden. Vielmehr kann das bereits erwähnte Portal zum Lernen genau solche Funktionalitäten für die einzelnen Lerner und Communities von Lernenden beinhalten.