
Im Folgenden möchte ich Ihnen Erfahrungen vom Duisburg Learning Lab zu einer Arbeits- und Lernumgebung für Learning Communities vorstellen, in der einige der Überlegungen zu Web 2.0 eingeflossen sind. Es wird gehen um die Frage, ob / wie man ein CMS als Basis für eine solche Arbeits- und Lernumgebung heranziehen kann.
Am Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement arbeiten wir seit mehreren Jahren mit verschiedenen Lernplattformen, die teilweise am Duisburg Learning Lab selbst entwickelt oder evaluiert wurden. Seit September 2005 nutzen wir die open source Lösung Drupal, ein Content Management System, das konzeptuell besonderes deutlich durch Ideen von Web 2.0 und social software geprägt ist. Auf den ersten Blick erinnert es eher an ein Wiki als an ein CMS, – alle Inhalte sind, wie in einem Wiki, für User mit entsprechenden Rechten unmittelbar „vor Ort“ erstellbar und editierbar. Andere CMS trennen die Umgebung von User und Autor und bilden dies ab durch ein „Frontend“ für den User und ein „Backend“ (Redaktionssystem), in dem der Autor seine Inhalte einstellt und gestaltet.
Inhalte in Drupal sind zum Beispiel Artikel, die auf der Startseite eingestellt werden, Seiten, die gemeinsam editiert werden können, Blogeinträge, die im eigenen oder in einer gemeinsamen Blogroll angezeigt werden, Termine, die in Kalender angezeigt werden, Anmeldungen für Termine oder Bilder, die in Galerien gesammelt werden. Darüber hinaus lassen sich weitere, eigene Inhaltstypen sehr einfach selbst definieren („Flexinode“). Wir haben einen Inhaltstyp Lehrveranstaltung, in dem Informationen über Lehrveranstaltungen aufgeführt sind, den Inhaltstyp Zeitschrift, in dem sich eine Liste mit relevanten Zeitschriften für unseren Bereich finden, Projekte, Prüfungsarbeiten, Publikationen und manches mehr.
Alle Inhalte sind in Drupal zunächst einfach „Nodes“ und können als solche alle bestimmte Eigenschaften von Nodes nutzen, etwa: Nodes können mit Tags versehen werden und als RSS-Feed exportiert und importiert werden. Drupal setzt damit konsequent die Idee um, alle Inhalte des Systems exportierbar zu machen und externe Inhalte per RSS-Feed in das System importieren zu können. Seine Flexibilität erhält das System dadurch, dass Inhalte mit freien Tags versehen werden, die die Inhalte beschreiben und nach denen Inhalte für Feeds zusammengestellt werden können. Auf diese Weise lassen sich Nachrichten aus externen Blogsm etwa von Studierenden und Mitarbeitenden, und Informationen von externen Sites, etwa Neuigkeiten zum Thema E-Learning, einbinden.
Für angemeldete User können beliebige Felder angelegt werden, die dem Community-Building dienlich sind. Wir haben etwa Felder vorgesehen, in denen Links auf persönliche (externe) Internet-Tools hinterlegt werden können, z.B. die persönliche Website, Flickr, Furl, ICQ, Yahoo, Skype oder ähnliches, also alles Services, die anderswo betrieben werden, und auf der Drupal-Site –für die „Learning Comunity“ sichtbar – zusammengeführt werden. Auf diese Weise können die Mitglieder untereinander ihre Bookmark-Liste, Termine, Bilder usw. einsehen und tauschen, wodurch das System ein Community-Building unterstützt. Die Website wird zu einem Ort des sozialen Austausches, – ohne dass sie den Einzelnen zwingt, diesen Ort als „den“ zentralen Ort anzuerkennen, an dem er / sie alle Informationen einbringen muss. Es ist umgekehrt: Das System holt sich die Informationen von verschiedenen Orten und führt sie lediglich so zusammen, dass ein lebendiger Ort entsteht, der ihn zunehmend interessant macht.
Die Vernetzung mit den externen Anwendungen geschieht hier über RSS-Feeds, technisch ein wenig anspruchsvoller Mechanismus, der sich momentan allerdings – rasend schnell - wie eine Schicht über das vorhandene Internet zieht. Im traditionellen Web bestand der zentrale Mechanismus zur Vernetzung von Informationen aus HTML-Links: Um von einer Seite auf eine andere Seite zu verweisen, setze ich eine HTML-Link, durch dessen Aufruf der Benutzer dann auf diese Seite wechseln wird. Der RSS-Feed ermöglicht es dagegen, die Information der anderen Seite auf meine Website zu holen, ohne dass der Benutzer auf diese Seite wechseln muss, d.h. ich aggregiere Informationen statt auf sie zu verlinken.
Dieser Mechanismus hat technische Limitationen, die bereits heute erkennbar sind. Es ist beispielsweise nur schwer möglich, den Austausch von RSS-Feeds auf bestimmte, autorisierte Nutzergruppen zu beschränken. Auch lassen sich schwerlich Parameter übergeben, d.h. die wechselseitige Kommunikation zwischen Sender und Empfänger des Feeds ist beschränkt. Hier setzen anspruchsvollere Mechanismen an, wie Web Services oder Portlets, die eine echte Kommunikation zwischen einem Client, dem Internet-Browser, und einer Anwendung auf einem Server erlauben. Auf diese Weise können Daten auch zwischen Anwendungen ausgetauscht werden und es lässt sich ein „single sign on“ realisieren, mit dem man sich nur einmal mit Login-Informationen anmelden muss. Der Begriff „Webportal“ ist mit diesen Technologien verknüpft, und insofern wäre eine Drupal-Website, wie beschrieben, keine Webportal im technischen Sinne. Es bildet allerdings mit den beschriebenen Mechanismen inhaltlich eine Funktion ab, die der eines „echten“ Webportals in Ansätzen entspricht. Hier wird zu beobachten sein, in welche Richtung sich die Möglichkeiten solcher Webportale für Lehr-Lernzwecke entwickeln und wie sich die aktuellen Technologien, wie JSR 168 / WSRP, XML-RPC / SOAP, WSDL / UDDI in diesem Bereich etablieren können. Es ist jedenfalls bemerkenswert, wie schnell sich mit den RSS-Feeds gegenüber diesen anspruchsvollen Ansätzen im Internet zunächst (erneut) eine sehr einfache Technologie durchsetzen konnte.