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Web 2.0 und E-Learning

IG-16

2.0-Lernportal

Was ergibt sich aus diesen Überlegungen als weitere Perspektive für das E-Learning?

Die Idee einer Lernplattform als einer Insel im Internet, auf die alle Materialien und Werkzeuge für das Lehren und Lernen zu bringen sind, erscheint – aus Sicht der geschilderten Entwicklungen hin zu Web 2.0 – fragwürdig. Aus der Diskussion über Web 2.0 und vorliegenden Erfahrungen mit Drupal als „CMS für Learning Communities“ – also für die Unterstützung netzbasierter Lernprozesse von Gruppen – lassen sich folgende Perspektiven für mögliche E-Learning Umgebungen der Zukunft ableiten:

  1. Eine E-Learning Umgebung wäre als „Tor“ ins Internet aufzufassen, das Lernenden Wege zu Lernmaterialien und -werkzeugen weist, die sich irgendwo im Internet befinden. Gleichzeitig sind in diesem Portal auch eigene Materialien, vor allem zur Strukturierung des Lernprozesses (etwa Lernaufgaben), eingestellt.
  2. Das Lernportal greift auf Materialien zu, die im Netz verfügbar sind, und bindet sie in das eigene Angebot ein. Diese Materialien sind oft von niedriger Komplexität (s.a. „Microcontent“) und werden im XML-Format / als RSS-Feeds von einer anderen Website oder einem Webservice bezogen.
  3. Komplexere Materialien können im Lernportal als Lernobjekte eingebunden und vom Lerner bearbeitet werden. In Lernobjekten werden neben den eigentlichen Materialien weitere Informationen über deren Struktur (z.B. Sequenzen) und deren Inhalte als Metadaten mitgeliefert. Die Nutzung standard-konformer Lernobjekte wird durch Wiedergabemodule in Lernportalen ermöglicht werden.
  4. Die eigenen (zum Teil auch aggregierten) Informationen und Materialien werden als Feeds für externe Anwendungen zur Verfügung gestellt. Damit können diese Informationen außerhalb des Portals und mit anderen Geräten genutzt werden (wie z.B. Audio-Podcasts auf mobilen Endgeräten).
  5. Die Umgebung bietet Lernenden wie Lehrenden die gleichen Werkzeuge für das Einstellen, (gemeinsame) Bearbeiten und Teilen von Wissen, wie z.B. Weblogs, Wikis, Foren, Bilder, Kalender usw.. Die Grenze zwischen Lernenden und Lehrenden reduziert sich damit auf wenige Unterschiede in den Rechten. Lernende und Lehrende sind aktive Mitgestalter des Lernportals.
  6. Um Informationen wieder auffinden zu können und anderen verfügbar zu machen (zu „teilen“), nutzen die User – Lernende wie Lehrende – sowohl freie Tags als auch Schlagworte aus vorgegebenen Taxonomien.
  7. Die Umgebung überlässt dem User so weit wie möglich die Wahl von Werkzeugen für Kommunikation und die Bearbeitung von Materialien. Die Lernenden werden unterstützt und ermuntert, sich (a) ihre eigene Arbeitsumgebung – auch unter Nutzung anderer, externer Werkzeuge – zu schaffen und (b) gemeinsam mit Anderen Werkzeuge für den Austausch und die gemeinsame Bearbeitung von Materialien zu wählen.
  8. Es gibt keine künstliche Unterscheidung zwischen einer Lern- und einer Arbeitsumgebung, sowohl für Lehrende wie auch für Lernende. Die Lehrenden realisieren ihre Lehrtätigkeit durch Präsenz in der Lernumgebung und deren aktive Weiter-Entwicklung.
  9. Die Umgebung unterstützt soziale Gruppenprozesse, indem sichtbar wird, mit welchen Werkzeugen die Benutzenden arbeiten (z.B. Furl oder Del.icio.us) bzw. mit welchen Kommunikationswerkzeugen sie wie ansprechbar sind (z.B. ICQ, Yahoo, Sykpe). Zugleich zeigt das System an, ob und mit welchem Kommunikationswerkzeug eine Person momentan erreichbar ist (social presence).
  10. Das System unterstützt Gruppenbildung (community building), indem sichtbar wird, wer wie viele Beiträge eingestellt hat, welche Beiträge wie oft abgerufen werden und wie die Beiträge von Anderen bewertet worden sind: Es wird sichtbar, wer sich in der Gruppe besonders engagiert.
  11. Die Mitgliedschaft zu einer Community sollte attraktiv sein. Registrierte User und Mitglieder einer Lerngruppe genießen bestimmte „Privilegien“: Sie erhalten zum Beispiel Zugang zu „mehr“ Informationen und erhalten mehr Rechte (etwa des Kommentierens, Einstellens und Bearbeitens von bestimmten Arten von Informationen).
  12. Das Lernportal dokumentiert Lernprozesse und Lernergebnisse der Beteiligten. Die Lernprozesse werden automatisch dokumentiert (etwa durch Beteiligung an Diskussionen) und Lernergebnisse sind – zumindest für die Gruppe – im Netz einsehbar (etwa in Wikis) und können in Portfolios der Person sichtbar gemacht werden.
  13. Die Lernenden werden zu einer Reflexion ihrer Lernprozesse (Setzen von Zielen, Erkennen des eigenen Lernfortschritts usw.) im Netz angeregt (etwa durch Weblogs).
  14. Die Didaktisierung des Angebotes (= die Leistung eines E-Learning Anbieters) eines solchen Lernportals entsteht durch
      a.die Einstellung und (Neu-) Zusammenstellung von Materialien (einschließlich deren Sequenzierung),
      b.durch Lernaufgaben, die zur Verfügung gestellt werden und den Lernprozess strukturieren, sowie
      c.durch unterschiedliche Varianten von Betreuungsleistungen (einschließlich der Prüfung / Zertifizierung).
  15. Lehrende gehen mit gutem Beispiel voran. Sie beteiligen sich aktiv an der Gestaltung der Lernumgebung, u.a. durch die Beteiligung an Diskussionen, durch die eigene Nutzung und Bekanntgabe der genutzten Wissens- und Kommunikationswerkzeuge oder das Führen eines Weblogs. Sie sind präsent in der Lernumgebung und reagieren schnell etwa auf Fehlermeldungen oder andere Rückmeldungen.