
Zum Schluß stellt sich die Frage: Welchen mediendidaktischen Ansatz verfolgt ein derartiges 2.0–Lernportal? Lässt sich ein Zusammenhang mit einem bestimmten theoretischen Ansatz in der Didaktik herstellen?
Sicherlich unterstützt das skizzierte Portal in besonderer Weise solche Lernaktivitäten, die in irgendeiner Weise im sozialen Kontext einer Gruppe stattfinden. Dabei könnte man einwenden: Eine Person, die sich schnell und als einzelne Person, bestimmte Informationen oder Kompetenzen aneignen will, wird nicht unbedingt in einer „learning community“ partizipieren wollen. Dennoch ist zu bedenken: Auch wenn Sie etwa bei Amazon eigentlich nur Produkte einkaufen wollen, und nicht im Geringsten daran denken, dass sie sich dort in einer Community von „Gleichgesinnten“ bewegen, so macht die Attraktivität dieses elektronischen Kaufhauses gerade die konsequente Nutzung entsprechender Merkmale von „social software“ aus (Mosel, 2005): Rückmeldungen und Wertungen anderer Käufer, Informationen über die Kauf- und Aufrufhäufigkeiten und Empfehlungen auf der Basis von Analysen des Benutzerverhaltens gehören zu den wichtigsten und wertvollsten Daten dieses Kaufhauses, das seine überragende Markstellung begründet.
Insofern erscheint eine solche Lernumgebung, die das Lernen in einem sozialen Raum verankert, grundsätzlich attraktiv, - auch für Menschen, die nicht besonders von und in der Interaktion mit Anderen lernen wollen. User generated contents – seien es explizit von Lerner erstellte oder implizit durch das Benutzerverhalten erschlossene – sind für andere Lerner eine wertvolle Ressource, die ein Lernportal in jedem Fall attraktiv macht.
Das so skizzierte Lernportal unterstützt insbesondere didaktische Ansätze, die aktives Lernen in den Mittelpunkt stellen, bei denen Lernende etwas mit Lerninhalten aktiv tun, d.h. sich mit Fällen, Problemen, Projekten beschäftigen und im Portal sichtbare Lernergebnisse produzieren. Gleichzeitig ist ein solches Portal allerdings weitgehend offen gegenüber dem favorisierten didaktischen Ansatz. Es hindert oder unterstützt weder einen behavioristischen noch irgendeinen konstruktivistischen Ansatz. Aus meiner Sicht wäre dies durchaus als Vorteil zu werten, weil so Umgebungen geschaffen werden können, die flexibel genug sind, um die sich in einem bestimmten didaktischen Feld stellenden Bildungsprobleme angehen zu können.
In jedem Fall bleibt es spannend: Mit der Diskussion um Web 2.0 und den damit verbundenen Entwicklungen scheinen einige wesentliche Neuerungen verbunden, mit denen sich schon jetzt neue Perspektiven des E-Learning abzeichnen.
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Kontakt: Michael Kerres, Duisburg Learning Lab |