
Am Donnerstag, dem 03.04.2008, boten wir nach dem erfolgreichen ersten Testlauf zum zweiten Mal eine Einführungsveranstaltung in Second Life an. Erneut sollte im inhaltlichen Mittelpunkt - neben der Vermittlung basaler Kenntnisse und Tools in Second Life - die Frage stehen ob und wie sich diese virtuelle Welt für Lernszenarien und pädagogische Kontexte nutzen lässt.
Ausgehend von unseren Erfahrungen im ersten Durchlauf hatten wir beschlossen zusätzlich zu der Moderation, die von Alexandra Gabel und Marianne Wefelnberg durchgeführt wurde, die Rolle eines (Technik-)Tutors bzw. -Tutorin einzuführen. Diese Person/ dieser Avatar sollte als Ansprechpartner dienen, falls (steuerungs-) technische Probleme auftraten. Rückblickend bin ich der Auffassung, dass sich diese Rolleneinteilung als sehr hilfreich erwiesen hat und somit auch in Zukunft ein tragfähiges Konzept darstellt.
Unsere Gruppe bestand aus 8 TeilnehmerInnen (nicht mitgezählt die Moderatorinnen und die Tutorin), die bezüglich ihrer Erfahrungen in Second Life heterogen zusammengesetzt waren. Startpunkt für unsere Erkundung der virtuellen Welt war erneut die Repräsentanz der Universität Duisburg-Essen, wo die TeilnehmerInnen begrüßt wurden.
Nach einer kleinen Einführungsrunde, in der Frau Gabel und Frau Wefelnberg den geplanten Ablauf der Veranstaltung vorstellten und Erwartungen und Wünsche seitens der TeilnehmerInnen geäußert werden konnten, erfolgte eine Einführung in grundlegende Fertigkeiten in Second Life, wie zum Beispiel die Nutzung des Inventars und das Erreichen anderer Orte mittels der Teleportfunktion. Letztere wurde auch sofort praktisch erprobt, um zur Repräsentanz des Duisburg Learning Labs zu gelangen und dort seinen Avatar mit dem DLL T-Shirt auszustatten.
Von dort aus suchten wir das erste Beispiel für ein Lernszenario in Second Life auf: Wonderful Denmark, den Nachbau eines Wikingerdorfes. Frau Gabel und Frau Wefelnberg nutzen hier sogar die Chance ihre Avatare mit entsprechender Kleidung zu versehen. im Rahmen einer kleinen Lernaufgabe hatten wir dann die Möglichkeit das Dorf selbst zu erkunden.
Unser nächstes Ziel war das International Spaceflight Museum, ein virtuelles Museum in Second Life, das sich dem Thema Raumfahrt gewidmet hat. Nach einer kurzen individuellen Erkundungsphase auf dem Gelände, konnten wir mit einer Rakete ins Weltall fliegen um hier in einer Simulation unser Wissen über die Planeten unseres Sonnensystems zu erweitern.
Im letzten inhaltlichen Block unserer Einführung befassten wir uns mit Universtäten und ihren Darstellungen in Second Life. Hierzu besuchten wir zunächst die Universität Bielefeld, die in ihrer virtuellen Repräsentanz den Nachbau eines Hörsaals hat, wie man ihn auch aus dem normalen Unialltag kennt.
Als Kontrast hierzu besuchten wir die Universität Queensland, die ihre Hörsäle in Second Life als Baumhäuser gestaltet hat. An diesem Ort fand auch unsere Abschlussrunde statt, welche die Eingangsfrage nach den pädagogischen Potenzialen von Second Life und seinen Einsatzmöglichkeiten für Lehr-Lernprozesse aufgriff. Erneut wurde von den TeilnehmerInnen vorallem das starke Erleben von sozialer Präsenz als ein Vorteil von Second Life betont.
Im Vergleich zu der ersten Testdurchführung zeigte sich meiner Ansicht nach, dass die Integration eines zusätzlichen Tutors wichtig und richtig war. Auf der einen Seite entlastet diese Rolle die Moderatoren, welche sich stärker auf die inhaltliche und didaktische Gestaltung der Veranstaltung kümmern können, auf der anderen Seite haben die TeilnehmerInnen einen klaren Ansprechpartner, an den bzw. die sie sich wenden können.
Für mich war diese Veranstaltung eine besonders interessante Erfahrung, da ich erstmals die Rolle des Tutors übernommen hatte. Ungewohnt für mich, die ich bisher hauptsächlich Erfahrungen aus Medienseminaren mitbrachte, die als Präsenzveranstaltungen angelegt waren, war dabei, dass ich keine Möglichkeit hatte zu sehen, worin ein Problem bestand. Bisher konnte ich immer einen Blick auf den Monitor der TeilnehmerInnen in meinen Seminaren werfen. In Second Life ist dies nicht möglich. Hier ist man völlig auf den Voice- bzw. Textchat angewiesen. Dies erfordert von den Tutoren sehr klare, eindeutige und verständliche Beschreibungen, was zu tun ist. Ebenso denke ich, dass dies hohe Anforderungen an die TeilnehmerInnen stellt, was die Beschreibung ihres Problems angeht. Zukünftige Veranstaltungen werden uns sicher weitere Erfahrungen bieten, wie hier am besten verfahren werden kann.