KVP onLine
„Kontinuierliche Verbesserung auf dem Weg zu Null Fehlern“
Im Rahmen des berufsbegleitenden Studiengangs „Educational Media“ der Universität Duisburg-Essen werden im Laufe eines Jahres zwei Medienprojekte erstellt. Medienprojekt 1 beschäftigt sich im Schwerpunkt mit der Planung und der Konzeption einer medial gestützten Bildungsmaßnahme wohingegen Medienprojekt 2 vorrangig deren Umsetzung im Fokus hat. Im Folgenden wird zunächst Medienprojekt 1 behandelt. In Kooperation mit der Firma Endress+Hauser AG soll die KVP-Ausbildung für neue Mitarbeiter mittels medialer Unterstützung nachhaltiger werden. Ausserdem soll das Werkzeug „Poka Yoke“ den Mitarbeiter näher gebracht werden.
Thema: KVP – Grundlage und Null-Fehler-Ansatz.
Der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) ist für Endress+Hauser AG ein wesentlicher Baustein zu Weiterentwicklung und Zukunftssicherung des Unternehmens. Vereinfacht ausgedrückt unterscheidet KVP zwischen wertschöpfenden Tätigkeiten und nicht-wertschöpfenden Tätigkeiten (Verschwendung). Häufig bestehen Prozesse aus bis zu 90% Verschwendung, wodurch auch das enorme Potential deutlich wird. KVP ist nun der Weg der kleinen Schritte, bei dem Verschwendung in Wertschöpfung umgewandelt wird.
Neben dem top down Ansatz, bei dem die Verbesserungspunkte von der Geschäftsleitung vorgegeben werden, ist der bottom up Ansatz von höchster Bedeutung. Die Mitarbeiter selbst sind Experten für die Details in den Unternehmensprozessen. Sie können, optimalerweise täglich, die Schwachstellen, d.h. die Verschwendung im Unternehmen reduzieren und auf Veränderungen reagieren.
Da dieser Ansatz stark von japanischen Unternehmen geprägt worden ist, werden häufig japanische Begriffe verwendet. Für Verschwendung hat sich der Begriff MUDA
(jap. Verschwendung) etabliert. In Unternehmensprozessen können sowohl im Produktions- als auch im Bürobereich 7 MUDAS unterschieden werden. Durch unterschiedlichste Effekte geht z.B. Zeit, Platz oder Geld verloren. Hierzu zählt Verschwendung durch: Überproduktion/-information, Bestände, Transport & Informationstransfer, Warte -& Suchzeiten, aufwendige Prozesse, Bewegung & Fehler. Grundsätzlich geht es darum seinen Arbeitsplatz permanent kritisch unter die Lupe zu nehmen und eben diese Verschwendungen durch gezielte und längerfristig einhaltbare Veränderung von beispielsweise Abläufen oder Arbeitsplatzorganisation zu vermindern.
Damit die Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit Verschwendung erkennen und beseitigen können, ist es äusserst wichtig, dass die Mitarbeiter das Konzept der 7 Verschwendungen /
7 MUDAS verinnerlichen.
Eine hervorstechende Position nimmt die Verschendungsart „Fehler“ ein. Es steht heute ausser Frage, dass Unternehmen Null-Fehler in Produktion und Dienstleistung anstreben müssen, um langfristig erfolgreich zu sein. Es reicht nicht, ein bestimmte Fehlerquote zu erreichen. Jeder Fehler ist ein Fehler zuviel. Shigeo Shingo, der als Erfinder des Poka Yoke Ansatzes gilt, hat erkannt, dass Menschen so genannte Fehlhandlungen unterlaufen. Diese kann man reduzieren jedoch nicht vollständig vermeiden. Es lässt sich jedoch vermeiden, dass Fehlhandlungen zu Fehlern in Produkten und Dienstleistungen führen. Hierfür werden unter anderem fehlhandlungssichere „Poka Yoke Lösungen“ eingesetzt. Endress+Hauser ist bereits in der Situation, dass generieren solcher fehlhandlungssicheren Abläufe ein entscheidendes Werkzeug auf dem Weg zu Null-Fehlern ist. Poka Yoke bezeichnet also ein Qualitätssicherungssystem, welches die menschliche Natur berücksichtigt. Es geht in erster Linie darum, Fehler nicht zu bestrafen, sondern Wege zu entwickeln, diese gar nicht erst aufkommen zu lassen. Durch das Etablieren einer „Problem-Löse-Kultur“ soll Qualität nachhaltig verbessert werden. Ein Beispiel aus dem Alltag ist der USB Stick, er kann nicht falsch herum in eine USB-Schnittstelle gesteckt werden. Die menschliche Fehlhandlung (den USB Stick falsch anschliessen) wird also verhindert.
Bildungsbedarf
Innerhalb des Strukturierungsprozesses der Ausbildung für neue Mitarbeiter rund um das Thema „KVP“ soll innerhalb der Präsenztrainings mehr Raum für das praktische Üben der unterschiedlichen KVP-Techniken geschaffen werden. Die Mitarbeiter des Unternehmens Endress+Hauser Flowtec AG sollen im besten Fall von KVP begeistert werden, mindestens aber für das Thema sensibilisiert. Bisher werden die Techniken mittels einer Powerpointpräsentation innerhalb von Präsenztrainings erläutert und anschliessend wird die praktische Anwendung geübt. Die Methode: PowerPoint hat sich als wenig nachhaltig herausgestellt, weshalb nach Alternativen gesucht wurde. Die Idee ist es, nun den einzelnen Präsenzveranstaltungen Web Based Trainings (WBTs) vor- oder nachzuschalten, um Grundlagen zu vermitteln oder Gelerntes in Erinnerung zurück zu rufen.
Im Projektverlauf sollen WBT-Ideen für die Themen PokaYoke (natürliche, menschliche Fehler vermeiden) und die 7 MUDAS (7 Wege der Verschwendung) ausgearbeitet werden. Das ganze wird in ein Blended Learning Konzept eingebunden, wobei es möglich sein soll, die WBTs auch in anderen Lernszenarien beispielsweise in Schwesterfirmen einzusetzen.
Auftraggeber
Endress+Hauser Flowtec AG ist ein Unternehmen der Firmengruppe Endress+Hauser und zählt zu den führenden Herstellern für industrielle Durchfluss-Messgeräte. An den Standorten in Indien, Frankreich, USA, China und der Schweiz sind rund 900 Personen beschäftigt. Gemeinsam mit weiteren Firmen der Endress+Hauser Gruppe wird seit einigen Jahren ein neues Weiterbildungskonzept für Mitarbeiter erarbeitet, was zu einer standardisierten und messbaren Fortbildung führen soll. In diesem Zusammenhang wurde E-Learning, in Form von WBTs zu einem Teil dieses Konzeptes. An dieser Stelle sollen auch die Ergebnisse dieses Projektes Anschluss finden.
Gründe für die Verwendung eines WBTs zur Erreichung der oben formulierten Ziele sind auf der einen Seite die Zeit- und Ortsunabhängigkeit mit der gelernt werden kann auf der anderen Seite die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Interaktion mit einem WBT. KVP gilt ausserdem als ein emotionales Thema, bei dem ein unvoreingenommenes Ausprobieren der Techniken meist durch die Anwesenheit der Gruppe gehemmt wird. Durch den Einsatz von WBTs soll die „Angst sich zu blamieren“ gesenkt werden.
Aufwand
Wie viel bei der tatsächlichen Erstellung der WBTs intern erstellt wird und wie viel an externe Dienstleister vergeben wird muss sich im Verlauf des Projektes herausstellen. Sicher ist, dass es sowohl eine interne als auch externe Produktion geben wird.
Basierend auf Erfahrungen aus bereits vergangenen Projekten wird der Kostenrahmen für die einzelnen WBTs (Sprachversionen d/en) auf ungefähr 25.000 €/WBT (bei einer vollständig externen Produktion) und ca. 15.000 €/WBT (bei einem externe & internen Ressourcenmix) geschätzt.
Ziel
Bis Mitte des Jahres 2010 ein vollständiges Konzept erarbeitet werden um dann in der zweiten Jahreshälfte in die Erstellung der Drehbücher sowie die Produktion der WBTS einzusteigen.
Ablauf
Im Wesentlichen wird sich an folgenden Meilensteinen orientiert:
Meilenstein 1 (07.03.2010)
Zielgruppenbestimmung
Bedarfsanalyse
Bestimmung der Lehr- und Lernziele
Meilenstein 2 (28.03.2010)
Lehr-/Lernstrategie
Inhaltsstrukturierung
Betreuungskonzept
Meilenstein 3 (18.04.2010)
Medienwahl
Produktions- und Zeitplan (für die 2.Jahreshälfte 2010)
Abschlusspaper (30.05.2010)
Fertigstellung des Konzeptes
